Abschied vom Internat auf der Humboldthöhe nach 18 Jahren
Ein kleines aber feines Angebot des KJF ist leise zu Ende gegangen.
Das Schuljahr 2025/2026 ist zu Ende gegangen und damit auch ein Angebot des Trägers, das INTERNAT AUF DER HUMBOLDTHÖHE auf der Hofer Straße 2 am Rande des Sonnenberges.
Ein kurzer Rückblick soll dazu dienen, um aufzuzeigen, von welchem Angebot wir uns verabschiedet haben.
Gegründet 2008 und damals ansässig in der Annaberger Straße, zog das Internat 2009 an den Rand des Chemnitzer Stadtteils Sonnenberg in die Nähe des Johannes-Kepler-Gymnasiums.
Von 2010 bis Ende Mai 2026 beherbergte das Internat von Sonntag bis Freitag (außer in der Ferienzeit) insgesamt 42 Bewohner(innen). In der Regel waren es junge Menschen mit höheren Begabungen der Gymnasien mit Vertiefungsprofil, die außerhalb von Chemnitz wohnten.
Vorrangig besuchten diese Schüler(innen) das Johannes-Kepler-Gymnasiums. Davon konnten 28 junge Menschen bis zum Abitur begleitet werden. Ein Schüler wechselte nach Sankt Afra, zehn waren Gastbewohner(innen) aus dem Internat für Hör- und Sprachgeschädigte und Auszubildende, die im Internat parallel sozialpädagogische Betreuung erhielten.
Die Bewohner(innen) kamen zum Großteil aus dem Landkreis Mittelsachsen aber auch aus den alten Bundesländern. Bis 2020 wohnten im Internat Schüler(innen) von der 5. Bis zur 12. Klasse. Ab 2022 richtete sich das Angebot an Lernende ab der 10. Klasse.
Die inhaltliche Ausrichtung war: „… eine individuelle Spezialförderung zu ermöglichen unter der pädagogischen Berücksichtigung der alters-, entwicklungs- und geschlechtsspezifischen Aspekte sowie der individuellen Neigungen, Stärken und Schwächen und das Angebot als familienunterstützendes und familienentlastenden Moduls gesehen zu werden. Die Schaffung und Einbindung in eine Alltags- und Lernstruktur, um soziale und lebenspraktische Fähigkeiten zu fördern. …“
Das Motto des Internates „Bilde dich selbst, und dann wirke auf andere durch das, was du bist! (Wilhelm von Humboldt) wurde von den jungen Menschen gewählt.
Was in der Konzeption zunächst theoretisch beschrieben wurde, zeigte sich in der Praxis teilweise als anspruchsvoll. Die sozialpädagogische Arbeit mit den teilweise hochbegabten Schüler(inne)n war herausfordernd. Viele von ihnen konnten zwar komplexe und naturwissenschaftliche Inhalte schnell und logisch erfassen, gleichzeitig wollten ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen erweitert werden. Dazu gehörte zum Beispiel der gute Umgang mit sich selbst und anderen, dem Wahrnehmen der eigenen Intuition und Neugier auf das soziale Miteinander. Eine wichtige Aufgabe der sozialpädagogischen Arbeit war es deshalb, diese unterschiedlichen Bereiche miteinander in Einklang zu bringen und ein Gleichgewicht zu schaffen.
Ich bedanke mich für die vielen vielseitigen, spannenden, fröhlichen, gemeinsamen und speziellen Momente. Dankbar bin ich auch für die Erfahrungen, die ich in all den Jahren sammeln durfte, sowie für die Rückmeldungen der ehemaligen Bewohner(innen). Sie beschrieben diese Zeit als gut, lehrreich und familiär und betonten die angenehme Kommunikation.
Es war ein kleines, feines und leises Angebot und jetzt ist es still.
Frau Herrmann
Ehemalige Leiterin Internat auf der Humboldthöhe